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Lieber Franz Josef…
Benjamin Kang
am
Dienstag, März 9, 2010
Offener Brief an Franz Josef Wagner – Kolumnist bei der Bild Zeitung
Einen interessanten Brief hat uns Pokerspieler, F.J. Wagner via Bild Zeitung zukommen lassen…Hier der Originaltext von Franz Josef Wagner am 8.3.2010:
immer gehört mein Mitgefühl den Opfern. Aber ihr mit Eurem Pokerface, Euren emotionslosen Echsen-Gesichtern macht es mir schwer. Meist versteckt Ihr auch noch Eure Augen hinter Sonnenbrillen, weil Augen Gier, Niedergeschlagenheit, Hoffnung, Bluff verraten. Euer Spiel ist, dem anderen sein Geld abzunehmen. Mitleidlos, kalt. Mit allen Tricks der Coolness.
Vier mit Revolvern und Macheten bewaffnete Verbrecher haben Euch in Berlin überfallen, mit mindestens 200 000 Euro sind sie entkommen. Bei jeder Oma, der die Handtasche entrissen wird, habe ich Mitgefühl.
Bei Euch nicht.
Ihr tragt dunkle Sonnenbrillen. Ihr seid nicht klar, Euer Spiel ist, dem anderen sein Gesicht nicht zu zeigen.
Es ist so bizarr. In Berlin lebt jeder Siebte von Sozialhilfe, im „Hyatt Hotel“ spielen Pokerspieler um eine Million, vermummte Gangster stehlen sich das Preisgeld.
Das ist unsere Hauptstadt. Vor dem „Hyatt Hotel“, dem Ort des Verbrechens, stehen Bettler. „Einen Cent“, sagen sie, „eine Zigarette“.
Im Luxushotel wird nach drei Stunden Panik weiter gepokert.
Ist dies unsere Welt?
Herzlichst
Ihr F.J . Wagner
Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Hochgepokert.de. Der Text hat die Redaktion von Pokerfirma so gut gefallen, dass wir ihn mit Einverständnis von Ben Kang auch hier in seiner Kolumne veröffentlichen!
Lieber Franz Josef,
Millionen von Menschen spielen in Deutschland Poker, einige mit Sonnenbrille, einige gar mit Echsen-Gesichtern. Es gibt Menschen die um Spielgeld Pokern, oder um 2€, manche gar um mehrere Tausend Euro. Ich spiele seit knapp vier Jahren Poker, ich habe nette, kluge, dumme, gierige und großzügige Pokerspieler kennengelernt. Eine solche Verallgemeinerung wie sie Dir in wenigen Sätzen gelingt, würde ich mir für eine so große und vielschichtige Gruppe von Menschen mit verschiedensten sozialen und ethnischen Hintergründen nie zutrauen. Dafür gebührt Dir alle Achtung – du BILDest Dir Deine Meinung wirklich präzise und unter Beachtung Deiner journalistischen Sorgfaltspflicht. Wie gesagt – mir ist das selbst nach 4 Jahren Poker nicht ansatzweise möglich.
Ein Pokerturnier ist ein Wettbewerb, er funktioniert im K.O. System. 10% der Spieler, die noch im Turnier sind, erhalten ein Preisgeld. Wer ausscheidet, ist enttäuscht, wer gewinnt, ist euphorisch. Es wird geblufft und es werden Fehler gemacht. Ist ein Basketballspieler, der einen Wurf antäuscht, um dann an seinem Gegner vorbeizuziehen, ein schlechter Mensch ? Oder der Torwart, der beim Elfmeter etwas mehr nach links als nach rechts hüpft ?
Richtig, wir Pokerspieler haben im Hyatt um Millionen gespielt – mehrere Tausend Spieler waren in Berlin, haben Hotelzimmer gebucht und Geld ausgegeben. Das ist gut für das arme Berlin, in dem jeder Siebte von Sozialhilfe lebt. Übrigens, ein paar Meter vom Hyatt entfernt wurden zuvor Schauspieler und Filme gefeiert, die Millionen kosten – einige hundert Meter weiter werden Tag für Tag Millionen an Steuergeldern teilweise auf recht fragwürdige Art investiert. Die Millionen, um die die Spieler spielten, wurden zuvor von ihrem eigenen Geld eingezahlt. Und genau diese Spieler sind auch bereit zu geben – zum Beispiel mit der Aktion allin4kids.de. Oder mit den $1.492.780, die die Spieler für Haiti gespendet und dafür einen Dankesbrief vom Roten Kreuz erhalten haben.
Poker ist vieles, lieber Franz Josef, nur emotionslos – das ist es sicher nicht. Wenn es so wäre, wie Du sagst, hättest Du schon ein halbes Pokerface. Zwar noch zu viel Emotion, aber dafür schon recht echsenartig
Dein Benjamin Kang



















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